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Gottlos Glücklich. Warum wir ohne Religion besser dran wären.

Ein Veranstaltungsbericht von Fabian Krahe

„Gottlos Glücklich“ in Bremen

Eine Lesung von Philipp Möller im kleinen Saal des Hauses der Wissenschaft

 

 

 

 

Die Richard Dawkins Foundation für Vernunft und Wissenschaft (RDF) lud am vergangenen Freitag den Berliner Bestseller-Autor Philipp Möller („Isch geh Schulhof“) ins beschauliche Bremen für eine Lesung seines neuen Buches „Gottlos Glücklich. Warum wir ohne Religion besser dran wären“. Mit humorvollen Anekdoten und Geschichten aus seinem Leben als (Berufs-)Atheist unterhielt er bestens das Publikum im voll besetzten kleinen Saal des Hauses der Wissenschaft.

Wenn Philipp Möller eines kann, dann reden. Munter und gut gelaunt stieg er in seinen Vortrag mit einer kurzen Erläuterung zur Entstehung seines neuen Buches ein. Tatsächlich wäre dies das erste Buch gewesen, dass er habe schreiben wollen. Doch sein damaliger Verlag habe abgewunken und gesagt, er solle lieber über Grundschüler und Freaks schreiben. Erst der S. Fischer Verlag habe den Mut gehabt, sein Buch zu veröffentlichen.

In seinem Vortrag folgte er im Wesentlichem dem Aufbau seines Buches. So legte er einen ersten und großen Schwerpunkt auf die atheistische Buskampagne von 2009. Er schilderte die große Pro-Reli-Werbekampagne in Berlin, mit der die Kirchen dafür warben, einen Wahlzwang zwischen Ethikunterricht und konfessionsgebundenem Religionsunterricht einzuführen und wie dies der Zeitpunkt für ihn war, aktiver Atheist zu werden. Weiterhin führte er aus seiner Sicht als Pressesprecher der Aktion die widrigen Umstände aus, mit denen die atheistische Buskampagne zu kämpfen hatte. So zogen die Berliner Verkehrsbetriebe ihr Zusage, dort Werbung schalten zu dürfen just in dem Moment zurück, als das nötige Geld eingenommen war. Auch andere öffentliche Verkehrsbetriebe, die angefragt wurden, waren nicht bereit, den atheistischen Slogan „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott“ auf ihre Busse zu drucken. So charterten sie kurzerhand einen eigenen Bus und begaben sich auf eine Tour quer durch Deutschland. Von dieser Schilderung kam er zu seinem Auftritt bei Disput Berlin und spielte als bekennender Narzisst eine Aufzeichnung seines kompletten vier-minütigen Redebeitrags vor, der auf YouTube und Facebook zusammen mittlerweile schon mehr als sechs Millionen Zuschauer erreichte.

 

Anschließend sprang Möller in der erzählten Zeit ein wenig zurück und schilderte seine Erstkommunion. Besonders die Eucharistie habe ihn damals beschäftigt. Wird das Brot und der Wein wirklich zum Leib und Blut Christi? Isst man dann wirklich Menschenfleisch und trinkt Menschenblut? Nun, er hatte dem Katholizismus und Gott damals wirklich eine Chance gegeben. Als er in die fünfte Klasse kam, meldete er sich vom Religionsunterricht ab.

Philipp Möller erzählte nun von seinem ersten Talkshow-Auftritt im Nachtcafé und dem skandalösen Umgang der katholische Kirche mit Missbrauchsopfern und wechselte anschließend in den aktiven Teil des Abends: Sein Kapitel zur Kirchensteuer verpackte er in ein kleines Gottlos-Glücklich-Kirchensteuerquiz. Dem Quiz schloss sich der letzte Schwerpunkt des Abends an; eine dezidierte Kritik des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts, gewürzt mit einigen Eindrücken aus dem Schulunterricht, dessen lebhafte Schilderung von dem ehemaligen Grundschullehrer Möller auch nicht anders zu erwarten war.

Seine letzten Kapitel zu Islamismus und Sterbehilfedebatte raffte Philipp Möller ob der späten Stunde lediglich kurz zusammen und so blieb doch noch ein wenig Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Wer diesen hervorragenden Vortrag verpasst hat, kann ihn auf dem YouTube-Kanal der RDF nachsehen. Oder noch besser Möllers Buch lesen, was sich auch wunderbar als kleines blasphemisches Geschenk unterm Weihnachtsbaum macht.