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„Erziehung und Lernen“

Vortragsreihe des gbs-Hamburg e.V. im Herbst 2018

  1. Vortrag am Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19 Uhr:
    „Mein Kopf gehört mir!“
    – Warum Kinder ein Recht auf vorurteilsfreie Bildung haben –
    mit Dr. Michael Schmidt-Salomon, Oberwesel
     
  2. Vortrag am Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19 Uhr:
    „Demokratie und Erziehung“
    – Von den Leitidealen der Aufklärung zur neoliberalen Indoktrination –
    mit Prof. Dr. Rainer Mausfeld, Kiel
     
  3. Vortrag am Donnerstag, 8. November 2018, 19 Uhr:
    „Bildung zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
    – Was brauchen und was können wir –
    mit Prof. Dr. Dipl.-Ing. Birgit Spies, Hamburg
     
  4. Vortrag am Donnerstag, 6. Dezember 2018, 19 Uhr:
    „Fit fürs Leben?“
    – Wie hilfreicher Einfluss möglich ist –
    mit Heinz Becker, Hamburg, Psychologe, Unternehmensberater

Eintritt frei

Die Vorträge mit Diskussion finden jeweils donnerstags um 19 Uhr statt in den Veranstaltungsräumen der GLS-Bank, Düsternstraße 10, 20355 Hamburg   HVV: S-Bahn Stadthausbrücke (Ausgang „Herrengraben“) oder U-Bahn Rödingsmarkt

 

1. Vortrag am Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19 Uhr:

Dr. Michael Schmidt-Salomon:

„Mein Kopf gehört mir!“

Warum Kinder ein Recht auf vorurteilsfreie Bildung haben

Aus rechtsstaatlicher Sicht gibt es katholische, protestantische, sunnitische oder schiitische Kinder ebenso wenig wie christdemokratische, sozialdemokratische, grüne oder liberale Kinder. Zwar haben Eltern das Recht, ihre jeweiligen religiösen und politischen Überzeugungen in der Erziehung ihrer Kinder zum Ausdruck zu bringen, das heißt jedoch nicht, dass der weltanschaulich neutrale Staat derartige Perspektivverengungen aktiv unterstützen dürfte. Denn Kinder haften nicht für ihre Eltern. Sie sollten nicht in einer „künstlichen Filterblase“ gehalten werden, sondern möglichst frühzeitig in den Genuss einer rationalen, evidenzbasierten, weltanschaulich neutralen Bildung kommen.
 


 

2. Vortrag am Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19 Uhr:

Prof. Dr. Rainer Mausfeld

„Demokratie und Erziehung“

Von den Leitidealen der Aufklärung zur neoliberalen Indoktrination

Das Leitideal der Demokratie entstand aus Bemühungen, Konsequenzen aus den gigantischen Blutspuren zu ziehen, die der Mensch in der Zivilisationsgeschichte hinterlassen hat, und zivilisatorische Schutzbalken gegen eine Herrschaft des Stärkeren und gegen Exzesse der Macht zu errichten. Zu diesen Konsequenzen gehört die Forderung, dass sich alle politischen Machtstrukturen demokratisch zu rechtfertigen haben.

Demokratie ist nicht lediglich eine Staatsform, sondern stellt eine Lebensform der gemeinsamen solidarischen Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens dar.

Eine demokratische Gesellschaft ist daher darauf angewiesen, Entwicklungsbedingungen bereitzustellen, unter denen sich die natürlichen intellektuellen und moralischen Befähigungen des Menschen, insbesondere Freiheit, Solidarität und Kreativität als psychische Grunddimensionen menschlicher Existenz, in angemessener Weise entfalten können.

Die neoliberale Ideologie zielt hingegen auf die totalitäre Schaffung eines ‚neuen Menschen‘, der seine Fremdverwertbarkeit optimiert und sich auf die Rolle des politisch apathischen Konsumenten beschränkt. Mit einer solchen Erziehungskonzeption werden die Bedingungen der Möglichkeit von Demokratie in grundlegender Weise zerstört.
 


 

3. Vortrag am Donnerstag, 8. November 2018, 19 Uhr:

Prof. Dr. Dipl.-Ing. Birgit Spies

„Bildung zwischen Anspruch und Wirklichkeit“

Was brauchen und was können wir

Gibt man in Google das Wort „Bildung“ ein, so erhält man fast 23 Mio. Ergebnisse. Was ist Bildung und was kann sie? Kontroverse Debatten über Bildung lassen sich genügend ausfindig machen und fast jeder hat, basierend auf seiner eigenen Lernbiografie, eine Meinung, wie Lernen und Schule funktionieren und gestaltet sein sollen. Es entsteht eine Vielfalt von Perspektiven, in der es schwerfällt, den Überblick zu behalten.

Und doch: Die zunehmend komplexe und sich fortwährend medial selbst aktualisierende Welt rüttelt erheblich am traditionellen Verständnis von Lernen und Bildung. Was kann und muss heute noch gelernt werden, wenn an fast jedem Ort zu jeder Zeit Informationen aller Art verfügbar sind? Die Expertenrolle von Lehrenden wird infrage gestellt, Curricula werden ent- und verworfen, Qualitätstest überrollen die Schulen und auf der Strecke bleiben die Lehrenden und Lernenden gleichermaßen.

Wir müssen, längst überfällig, vor- und nach-denken und endlich handeln. Im Mittelpunkt muss dabei die Frage nach dem Ziel von Bildung stehen: Was soll Bildung können, was das Ergebnis sein? Welches Menschenbild liegt unserem gesellschaftlichen Verständnis zugrunde? Und daran schließt sich die Frage an: Können wir, kann Schule das leisten?

Es ist unumgänglich, den Weg von tradierten Lernvorstellungen hin zu einem innovativen Lernen zu gehen, in dem das Lösen unbekannter Situationen und die Antizipation künftiger Probleme im Fokus sind. Dabei muss Lernen sich den vielfältigsten, auch medialen, Gelegenheiten öffnen, unter denen es stattfinden kann. In einem solchen Lernen kann der Lerner nicht mehr als defizitäres Wesen begriffen werden, in das ein curricular festgeschriebenes Wissen hineinzustopfen ist, sondern als ein soziales Wesen, welches Wissen, basierend auf seiner eigenen Erfahrungs- und Erlebenswelt, konstruiert. Lernen ist ein sozialer Prozess. Damit wird auch deutlich, dass unsere bisher stark kognitiv ausgerichtete Bildung um soziale und emotionale Bildung ergänzt werden muss. Damit einher geht ebenfalls ein verändertes Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden.>

Der Vortrag verknüpft Gedanken aus Pädagogik und Psychologie sowie Soziologie und Philosophie und illustriert diese ganz praktisch und verständlich anhand aktueller Studien und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Seien Sie gespannt, wie wunder- und wandelbar Lernen sein kann.
 


 

4. Vortrag am Donnerstag, 6. Dezember 2018, 19 Uhr:

Heinz Becker

„Fit fürs Leben?“

Wie hilfreicher Einfluss möglich ist

Wer will das nicht: die Kinder fit fürs Leben machen. Aber wie geht das? Ihnen beibringen, was richtig und was falsch ist, was gut ist oder böse, worauf sie hinaus wollen mit sich, was sie werden sollen/wollen? Wie reift ein Mensch heran, wie wird er erwachsen? Gibt es das überhaupt: Erwachsen-sein? Wie lernt er das Leben kennen und kommt damit zurecht? Eltern fragen sich, wie sie der nächsten Generation helfen können, sich selbst und ihren Weg zu finden.

Dieser Weg hat Höhen und Tiefen. In seinem Vortrag zeigt Heinz Becker auf, wie wir gerade aus Krisen und Niederlagen Erkenntnisgewinn schöpfen und Steuerungsfähigkeit erwerben. Er bietet eine detaillierte Analyse des „Lernens aus dem Leben“ an und legt dar, welche Hilfestellungen diesen Prozess der Reifung fördern können – bei uns selbst, ebenso wie bei anderen.