Katholische Bischöfe: Wir haben ein Problem

Auf der Tagung der Deutschen Bischofskonferenz gab man sich betroffen: Bei der Bewältigung der Missbrauchsskandale in den Reihen der katholischen Kirche habe man schwere Fehler gemacht. Aber man solle mit der Aufarbeitung weiter abwarten. Über Personen entscheide letztlich der Papst.

Er schwitzt sichtlich unter dem weißen Dackelohrkragen: Vor der Fernseh-Kamera gibt sich der Vorsitzende der aktuell tagenden Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Limburgs Bischof Georg Bätzing, bedrückt. Es geht um die jahrzehntelang verschwiegenen und unterdrückten Fälle von Missbrauch und sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche. Ja, die schleppende Aufarbeitung unter der Leitung des Kölner Kardinals Woelki zeuge von schlechtem Krisenmanagement, sei ein „regelrechtes Desaster“.


Am Tage drauf muss sogar die katholische Nachrichtenagentur katholisch.de die peinliche Vokabel kleinlaut wiederholen. Man sei schwer betroffen. Und man mag es fast glauben. Denn das Wasser steht der Kirche derzeit bis Hals. Man käme derzeit kaum nach mit der Bewältigung der Kirchenaustritte, heißt es im zuständigen Kölner Büro. Und das Bündnis der Betroffenen-Organisationen weitet sich aus, reicht hinein bis in die kirchlichen Basisvereinigungen wie „Maria 2.0“. Empört und wütend fordern die Mitglieder endlich Aufarbeitung und Ahndung des geschehenen Unrechts. Sie wollen Köpfe rollen sehen.

Dabei steht auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße in der Kritik. Die Vorgänge aus seiner Kölner Zeit als Personalchef und Generalvikar unter Woelki holen ihn jetzt ein. Der Hamburger Kirchenfunktionär, so der Verdacht, soll sich an den Vertuschungsversuchen beteiligt haben. Doch unbeirrt weist Heße alle Rücktrittsforderungen weit von sich. Allein der „Heilige Vater“ könne über seinen Verbleib im Amt entscheiden. Mit solchen Verweisen auf Rom aber haben auch in der Vergangenheit immer wieder gestrauchelte Kirchenmänner versucht, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Und es sind immer Männer, die sich sexueller Übergriffe und Gewalt haben schuldig werden lassen. Gegenüber Untergebenen, Jungen und Mädchen aus der Gemeinde, Schutzbefohlenen. „Das Kernproblem der katholischen Kirche“, wie es eine Aktion als Motto benennt, die auf der Kölner Domplatte protestierte. Initiiert von zahlreichen Betroffenen-Vereinen und unterstützt von der GBS.

Von diesem Kernproblem kann auch der neueste hilflose Schachzug der Bischöfe nicht ablenken, nämlich erstmalig eine Frau ins Amt der Generalsekretärin zu wählen. Freundlich und unschuldig lächelt Beate Gilles, die Neue, in die Kamera. Doch die katholische Kirche bleibt der alte reaktionäre Männerverein, in dem Triebgesteuerte immer wieder übergriffig oder kriminell werden ohne sich schuldig zu bekennen.

Wenn ihm Fehler nachgewiesen würden, so entsprechend pflaumenweich auch Hamburgs Erzbischof Heße, „muss man daraus unter Umständen auch Konsequenzen ziehen“. Aber formal könne ein Bischof nicht einfach selbst seinen Rücktritt bekanntgeben, ergänzt der DBK-Vorsitzende Bätzing, „Das geht in der katholischen Kirche gar nicht, sondern es muss die römische Bischofskongregation die begangenen Fehler oder die Situation bewerten.“ Erst dann könne man ja anbieten vom Amt zurückzutreten. „Entweder nimmt der Papst das an oder nicht.“ Und auf die Vertuschungsvorwürfe des Kölner Kardinals Woelki gemünzt: Man sähe jetzt keine Möglichkeit „in Köln hineinzugrätschen“. Er glaube dem Kardinal.
Wie glaubwürdig jedoch ist der DBK-Vorsitzende selbst, wenn er im Interview mit der 20-Uhr-Tagesschau am 23. Februar von einem „skandalisierbaren Verhalten in der katholischen Kirche“ spricht?

Meint Bätzing etwa: eigentlich alles okay in der Kirche, aber Öffentlichkeit und Medien würden die Vergehen nachträglich zum Skandal hochstilisieren? Angemessen wäre wohl eher das Wort „skandalös“ gewesen. Aber die Verwendung so gewitzter Wortschiebereien lernt man wohl im Theologiestudium …